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Brust OP & Brustimplantate / Bioschaumstoff
Die Erfindung betrifft einen implantierbaren Bioschaumstoff, welcher nach einem digitalen Datenmodell des Patienten das Füllmittel, z. B. Alginat, in einem individuell angefertigten Werkzeug in die gewünschte Form bringt und anschliessend mit Hilfe eines Reaktionsmittels beispielsweise Calciumchlorid oder einem anderen geeigneten Stoff in dieser Form verfestigt.
Im Gegensatz zu den heute üblichen Silikonkörpern, die hinsichtlich ihrer Formgebung eingeschränkt sind, kann das Alginat in jeder beliebigen 3D-Form sehr genau abgegossen werden. Die entstehende Plastik hat die Konsistenz eines "Schaumstoffs" und kann ohne weitere Umhüllung in das Bindegewebe transplantiert werden. Das Alginat kann vorteilhafterweise mit einem Zellwachstums-Inhibitor beschichtet werden, um eine Kapselbildung auszuschliessen. Für die Fertigung der Alginate stehen verschiedene aus der Literatur bekannte Verfahrenstechnologien zur Verfügung. Die beschriebenen Alginate werden bereits in der Lebensmitteltechnologie industriell eingesetzt, jedoch in einer weniger reinen Form. Für die Transplantationsmedizin stehen bereits heute verschiedene hochreine Alginate zur Verfügung, deren Biokompatibilität klinisch erprobt ist. Implantate zum Aufbau von Weichteilplastiken sind aus einer Vielzahl von Patentanmeldungen bekannt.
Zum Einsatz kommen heute z. B. Implantat-Füllstoffe aus Silikon oder verwandten Kunststoffen. Aber auch andere Materialien werden eingesetzt. Die heute verwendeten Implantate sind für die Patienten aus mehreren Gründen nachteilig: Die heute verwendeten Silikon-Formteile sind zu wenig elastisch um einen funktionsfähigen Ersatzstoff für Weichteildefekte darstellen zu können. Die Implantate zeichnen sich meist deutlich unter der Haut ab, in extremen Fällen besteht die Gefahr eines Durchstossens der Haut. Ein weitere Nachteil ist die mangelnde Durchlässigung der Silikon-Implantate für Röntgenuntersuchungen. Auch können bösartige Neubildungen nach Krebsoperationen nicht mehr ertastet werden. Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die angesprochenen Probleme zu lösen. Dies geschieht dadurch, dass dem Patienten ein Implantat eingesetzt wird, welches als Alginat in beliebigen 3D-Formen ausgegossen werden kann und dabei eine elastische schwammartige Konsistenz behält. Für das Verfestigen des Implantats unter Erzeugung der elastischen Eigenschaften ähnlich eines Schaumstoffs stehen verschiedene physikalische-technische Verfahren zur Verfügung. Das so verfestigte Implantat hat eine Konsistenz die mit der eines Badeschwamms vergleichbar ist. Zur Sicherstellung einer optimalen Vorgebung des Implantats wird zunächst mit Hilfe eines 3D-Scanners und/oder eines anderen bildgebenden Verfahrens ein Datenmodell des Weichteildefekts des Patienten erzeugt. Diese Datenmodell wird anschliessend bearbeitet. Mit Hilfe einer Software wird die zukünftige Körperform modelliert und dem Chirurgen als Operationsvorschlag unterbreitet.
Nach Abstimmung mit dem Patienten wird nun die sogenannte "Nettoform" errechnet, d. h. die Formgebung des Implantats, welche sich als Raumforderung des Weichteildefekts im Verhältnis zur Zielform ergibt. Der Vorteil dieser Technik ist die hohe Prognosesicherheit des Operationsergebnisses, sowie die hohe Ähnlichkeit des in der Plastik geformten Alginats gegenüber dem haptischen Eindruck des natürlichen Gewebes. Das Implantat kann vorteilhafterweise mit einer biologischen Beschichtung überzogen werden, beispielsweise Hyolauronsäure, welche das Zellwachstum auf der äussersten Schicht des Alginats reduziert. So kann das Entstehen einer harten Bindegewebskapsel - eine häufige Komplikation bei Implantationen - vermieden werden. Die patientenindividuelle Ausformung von Implantaten stellt eine dramatische Verbesserung der heute gängigen Operationspraxis dar, da erstmals das OP-Ergebnis präzise gestaltbar und im Resultat sicher prognostizierbar ist. Der betroffene Weichteildefekt wird aufgefüllt und erhält dabei eine natürliche Anmutung, gleichzeitig sind die Implantate für Dritte nicht als Fremdkörper tastbar. In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel des Implantats erläutert. Fig. 1 stellt eine schematische Darstellung des Prozesses zur Implantats-Herstellung gemäss dem Ausführungsbeispiel der Erfindung dar. Das Prozess beinhaltet beispielsweise folgende Prozessschritte, bzw. Komponenten/Merkmale: 1. Datenerhebung 2. Erzeugung Digital Mock-Up 3. Errechnung Implantats-Form 4. Herstellung der Gussform 5. Abformen des Implantats 6. Reinigen, Beschichten, Sterilisieren 7. Einsetzen des Implantats Fig. 2 stellt eine schematische Darstellung des Einsatzes des Implantats zum Ersatz von Weichteildefekten am Beispiel einer Schussverletzung dar.
Quelle: DE10126245 (A1) / SIMONS HANS-JUERGEN [DE]; SPIELBERG RALF [DE]; HACKER FRANZ DIPL-KAUFM [DE]
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